Das Fasziendistorsionsmodell nach Typaldos

Das Fasziendistorsionsmodell (FDM) ist eine medizinische Sichtweise, welche die Ursache für körperliche Beschwerden und Funktionseinschränkungen auf eine oder mehrere von sechs typischen Verformungen der menschlichen Faszien zurückführt. Werden diese Fasziendistorsionen korrigiert, können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen effektiv, messbar und nachvollziehbar behandelt werden.

Haupttypen der 6 Fasziendistorsionen

Triggerband

verdrehtes, gespaltenes Faszienband, meist ziehende Schmerzen im Verlauf einer Linie
Triggerpunkt bzw. Hernie oder hernierter Triggerpunkt
abnormale Protrusion von Gewebe durch die
Faszienebene, Symptomkomplex aus Schmerzen aller Art, Bewegungseinschränkungen und neurologischen Ausfällen
Kontinuumdistorsion
Veränderung der Übergangszone zwischen Ligament,
Sehne o. ä. und Knochen, meist stecknadelgroße, punktuelle, stechende Schmerzen
Faltdistorsion
dreidimensionale Veränderung der Faszienebene
Zylinderdistorsion
Überlappung der zylindrischen Spiralwindungen der
oberflächlichen Faszien, meist flächige Schmerzen mit oder ohne Taunheit, Kribbeln oder Ödeme
Tektonische Fixierung
Veränderung in der Gleitfähigkeit der Faszien-
oberflächen, Steifigkeit & Bewegungseinschränkungen der Gelenke

Die FDM-Diagnostik basiert auf drei Säulen und führt zu einer eigenständigen FDM-Diagnose. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Interpretation der Schmerzgestik des Patienten ein. Durch eine spezielle Deutung können intuitive Gesten entschlüsselt werden und geben direkte Hinweise auf Faszienverformungen. Eine umfassende Anamnese und Untersuchung ergänzen den FDM-Befund..

Aktuell wird der FDM-Ansatz erfolgreich bei Beschwerden am Bewegungsapparat und zur Schmerztherapie angewendet.

Wissenswertes über Faszien

Fasziennetze (Weichteilkomponente des Bindegewebes) bestehen hauptsächlich aus drei grundsätzlichen Typen von Kollagen- Elastin- und Retikulinfasern und umgeben, umkleiden, trennen, schließen ein, unterteilen, lenken Flüssigkeiten, schützen, isolieren und bilden Puffer für Organe, Knochen, Nerven, Muskeln, Gefäße usw. Jeder Muskel, jedes Muskelbündel, jede Muskelfaser, jeder Nerv wird von Fasziennetzen umgeben.

Faszien können sich aktiv zusammenziehen, unabhängig von den dazu gehörigen Skelettmuskeln. Die Universität Ulm konnte nachweisen, dass normale Faszien mit glattmuskelähnlichen kontraktilen Zellen besiedelt sind, den Myofibroblastern. Diese Bindegewebszellen, bekannt von der Wundheilung, scheinen in der Lage zu sein, lokale Gewebesteifigkeit dynamisch zu verändern, je nach genetischer Konstitution, mechanischer Belastungsdynamik und biochemischem Milieu.